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Riesige Unterschiede von realem Verbrauch und Normverbrauch durch Tricks der Autohersteller

Riesige Unterschiede von realem Verbrauch und Normverbrauch durch Tricks der Autohersteller
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Wer schon einmal den tatsächlichen Verbrauch seines Autos mit dem vom Hersteller angegebenen kombinierten Normverbrauch verglichen hat, der wusste längst, dass sich dieser Wert meist nur in der Theorie einhalten lässt. Dieses ohnehin seit Jahren bestehende Ärgernis soll sich laut Angaben der Deutschen Umwelthilfe (DUH) aber weiter verschlimmert haben, denn laut einer am 13. Mai 2013 von der DUH veröffentlichten Untersuchung weichen die offiziellen Verbrauchsangaben immer stärken von denen des realen Fahrbetriebs ab. Bestätigt wurde dies nicht nur von vermehrten Zuschriften verärgerter Autofahrer, sondern auch durch eine weitere aktuelle Studie, die vom International Council on Clean Transportation (ICCT) stammt.

Realistische Angaben beim Kraftstoffverbrauch?
Foto: Grüne Autos Magazin

Insgesamt liegt die durchschnittliche Differenz zwischen dem realen Kraftstoffverbrauch und dem offiziellen Normverbrauch laut der ICCT-Studie bei unglaublichen 25 Prozent. Für den Autofahrer fallen dementsprechend 25 Prozent höhere Kraftstoffkosten an und die Umwelt wird mit einem Viertel mehr Emissionen geschädigt als angegeben. Jeden Monat und jedes Jahr muss demnach im Schnitt soviel zusätzlich bezahlt werden als wenn die Kosten für Benzin oder Diesel 25 höher wären. In diesem Fall wäre das Geschrei an den Tankstellen sicher groß, umso erstaunlicher also, dass nicht mehr Autokäufer als bisher gegen die Hersteller klagen. Vor zehn Jahren habe der Abstand zwischen Labor- und Straßenwerten schließlich weniger als zehn Prozent betragen.

Obwohl die Fahrzeuge aller Hersteller große Abweichungen aufwiesen, sind sie laut ICCT-Studie aber sehr unterschiedlich. Beispielsweise:

  • BMW – 30% Abweichung beim Kraftstoffverbrauch
  • Audi – 28% Abweichung beim Kraftstoffverbrauch
  • GM – 27% Abweichung beim Kraftstoffverbrauch
  • Daimler – 26% Abweichung beim Kraftstoffverbrauch
  • Renault-Nissan – 16% Abweichung beim Kraftstoffverbrauch
  • PSA – 16% Abweichung beim Kraftstoffverbrauch
  • Toyota – 15% Abweichung beim Kraftstoffverbrauch

Ein Ansatzpunkt wäre die Ablösung des inzwischen 30 Jahre alten und an der Realtät vorbeigehenden Testverfahrens um den NEFZ, mit dem die Verbrauchswerte aller Pkw in Europa ermittelt werden. Diese wird derzeit in der Europäischen Union beraten, ein von den Vereinten Nationen entwickeltes und weltweit gültiges Testprozedere soll aber voraussichtlich erst ab dem Jahr 2018 eingeführt werden. Dieses WLTP (World Light Vehicles Test Procedure) beinhaltet im Vergleich zum NEFZ z. B. höhere Geschwindigkeiten, stärkere Beschleunigungen und eine geringere Labortemperatur.

Darüber hinaus sorgen aber auch die Tricks der Autohersteller für die unrealistischen Angaben beim Kraftstoffverbrauch. So werden u.a. das Gewicht des Fahrzeugs gesenkt, der Reifen bis über das Maximum aufgepumpt um den Rollwiderstand zu senken und/oder ohnehin nicht serienmäßige rollwiderstandsarme Reifen verwendet. Weitere Methoden sind die Abklebung von Spalten und Lufteinlässen zur Verbesserung der Aerodynamik sowie die Verwendung von Hochleistungsschmierstoffen. Eine komplette Auflistung der Tricks hat die DUH in einem ensprechenden Pdf zum kostenlosen Download zusammengestellt.

Die Frage, warum die Poltik einem derartigen Treiben bisher kein Ende gesetzt hat, führt Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH, auf folgendes zurück: „Die enge personelle Verflechtung von Regierungsmitgliedern und der Automobilindustrie wird nicht nur im derzeitigen Einsatz des Kanzleramtes gegen ehrgeizige Brüsseler CO2-Ziele für Pkw deutlich. Zahlreiche Zuschriften betroffener Autofahrer zeigen, dass es den Autobauern auch gelungen ist, die eigentlich zuständigen Überwachungsbehörden lahmzulegen. Als letzte Instanz verbleiben wieder einmal nur die Gerichte. Die DUH wird daher in bis zu fünf öffentlich geführten Musterverfahren ausgewählten Autobesitzern zu ihrem Recht verhelfen. Vielleicht gelingt es so, den Staat endlich zum Eingreifen zu bewegen und offensichtliche Manipulationen zu sanktionieren.“ Klagebereite Autobesitzer fordert die DUH aus diesem Grund auch dazu auf, sich für die geplanten Musterverfahren mit einer Dokumentation ihres Falles zu melden.

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