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Kraftwerk statt Auspuff: Sind Elektroautos wirklich umweltfreundlich?

Kraftwerk statt Auspuff: Sind Elektroautos wirklich umweltfreundlich?
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Wenn man den Aussagen der meisten Autohersteller sowie der Politik glauben mag, dann scheinen elektrisch angetriebene Autos der ultimative Heilsbringer zu sein, die allen Menschen die individuelle Mobilität ermöglichen, ohne dabei negative Auswirkungen auf die Umwelt zu haben. Ganz so einfach ist es natürlich nicht. Ein Elektroauto stößt zwar beim Betrieb keinerlei Emissionen aus, allerdings muss der Strom, mit dem die Batterien aufgeladen werden, bekanntlich irgendwo herkommen. Betrachtet man nun ein einzelnes Elektroauto, welches zuhause vorbildlich mit Energie von einem Ökostromanbieter oder gar Strom aus der eigenen Photovoltaikanlage aufgeladen wird, dann fährt es quasi wirklich emissionsfrei. Würde man nun aber z.B. 10 Prozent der knapp 43 Millionen in Deutschland zugelassenen Pkw durch E-Autos ersetzen, könnten diese zur Zeit gar nicht alle mit Strom aus erneuerbaren Energien aufgeladen werden.

Elektroauto auf dem Genfer Autosalon 2011
Foto: Grüne Autos Magazin

Mittlere Emissionswerte, wenn Elektroautos mit Energie aus dem aktuellen Strommix fahren

Legt man den Elektroautos also den CO2-Ausstoß zugrunde, der im aktuellen Strommix bei der Erzeugung einer Kilowattstunde (kWh) Strom entsteht, dann wird klar, dass sie zwar keine Umweltschweine sind aber eben auch alles andere als CO2-neutral fahren. Der Emissionsfaktor lag in 2012 bei 576 g/kWh. Aufgrund der verstärkten Nutzung von Kohlekraft war er im Gegenzug zum Trend der letzten Jahre damit auch wieder angestiegen, was sich wohl trotz des Zubaus an erneuerbaren Energien auch in 2013 fortgesetzt hat.

CO2-Emissionsfaktor für den Strommix in Deutschland bis 2012
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Rechnet man die CO2-Emissionen aus der deutschen Stromerzeugung damit auf den Verbrauch der Elektroautos (kWh pro 100 km) um, dann erfährt man, für welche Emissionen (g/km CO2) sie wirklich verantwortlich wären, auch wenn die Abgase eben aus den Schornsteinen der Kraftwerke anstelle des Auspuffs am Fahrzeug kommen. Hier sind einige Beispiele, denen der Normverbrauch zugrunde gelegt wurde:

  • Peugeot iOn mit einem Verbrauch von 13,5 kWh auf 100 km – Ergebnis: 77,6 g/km CO2
  • Nissan LEAF mit einem Verbrauch von 17,3 kWh auf 100 km – Ergebnis: 99,7 g/km CO2
  • Renault Fluence Z.E. mit einem Verbrauch von 14 kWh auf 100 km – Ergebnis: 80,6 g/km CO2
  • Tesla Model S 85 kWh mit einem Verbrauch von 17 kWh auf 100 km – Ergebnis: 97,9 g/km CO2

Sind Elektroautos dementsprechend nicht der falsche Weg um das Klima zu schützen?

Betrachtet man die Klimaveränderungen und beispiesweise das Schmelzen vieler Gletscher zum heutigen Zeitpunkt, dann spielt es natürlich keine Rolle, ob die Treibhausgase aus dem Kraftwerk stammen oder direkt aus dem Auspuff. Diese Problematik zeigt aber vor allem, dass die Lösung nur ein gleichzeitiges Ansetzen bei der Entwicklung alternativer Antriebe und einem raschen Ausbau der erneuerbaren Energien sein kann. Wird schließlich immer mehr Strom aus Sonne, Wind, Wasser sowie anderen besonders effizienten Quellen (etwa KWK, Biomasse, etc.) erzeugt, werden auch die elektrisch betriebenen Autos immer umweltfreundlicher. Zudem bieten sich die Akkus in ihnen geradezu als idealer Speicher an, wenn etwa Windstrom oder Sonnenstrom in Zeiten geringer Nachfrage im Überfluß produziert wird.

Obwohl die Tatsache, dass der aktuelle Strommix garantiert nicht CO2-neutral ist und sich Elektroautos daher auch nur als Einzelfall betrachtet emissionsfrei fahren lassen, nicht geleugnet werden kann, sollte man in der Entwicklung nachhaltigerer Antriebe und Fahrzeuge sicher nicht nachlassen. Dennoch wird das Elektroauto wohl aber sicher nicht DIE Lösung sein, sondern nur ein Teil in einem nachhaltigeren Konzept.

6 Kommentare

  1. Green-Motors.de

    Hallo Chris,

    mal wieder ein schöner Artikel. Das Stromer letzten Endes nicht ganz CO2-neutral sind und sein können, ist eigentlich klar und derzeit wohl die größe „Waffe“ der E-Auto-Gegner. Wenn man aber schon so rechnet, sollte man das auch auf konventionelle Autos anwenden, ergo via Well-to-Wheel die Emissionen von der (Öl)Quelle bis hin zum Verbrennen im Auto berechnen – was in der Regel nicht geschieht.

    Ob Elektroautos die Lösung sind, bezweifle ich ehrlich gesagt selbst und das nicht allein wegen den (noch) extrem hohen Kaufpreisen. Verbrenner aber dürften in 100 Jahren sicherlich auch nicht mehr auf der Straße zu sehen sein. Was also dann? Brennstoffzellenautos? Oder was ganz anderes? Beantworten kann das aktuell wohl keiner.

    LG
    Dennis

  2. Bei dem Vergleich zu CO2 Werten von Verbrennern daran denken, dass die CO2 Angaben bei Verbrennerfahrezeugen ohne graue Energie für Transport sind, während bei Elektrofahrzeugen die Endenergie, also inkl Transport dargestellt wird. Der Vergleich hinkt damit.

    Ralf Wagner
    http://www.elweb.info
    Das Informationsnetzwerk für Elektrofahrzeugfahrer.

  3. hmm, in diesem Vergleich steht, dass der Tesla 23,5 kWh auf 100 km braucht:
    mycar.net/auto/tesla/162-porsche-panamera-vs-tesla-model-s.html

    Damit wäre der CO2 Ausstoß viel höher.

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