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Interview mit Martin Betzold, Mit-Initiator des Elektrotaxi-Projekts und e-Mobility-Experte bei Green City Energy

Interview mit Martin Betzold, Mit-Initiator des Elektrotaxi-Projekts und e-Mobility-Experte bei Green City Energy
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Martin Betzold - Mit-Initiator des Elektrotaxi-Projekts und e-Mobility-Experte bei Green City EnergySeit Anfang Juli 2011 transportiert in München das erste rein elektrisch angetriebene Taxi Fahrgäste umweltfreundlich durch die Stadt, worüber auch hier auf dem Grüne Autos Magazin bereits im Beitrag „Mitsubishi i-MiEV fährt in München als erstes Elektrotaxi Deutschlands“ berichtet wurde. Aufgeladen wird das erste e-Taxi, ein Mitsubishi i-MiEV, mit 100 Prozent erneuerbarem Strom des Münchner Energiedienstleisters Green City Energy. Im Interesse unserer Leser würden wir Ihnen als Mit-Initiator des Projekts und e-Mobility-Experte bei Green City Energy gerne ein paar Fragen stellen.

Frage: Seit rund einem Monat ist das erste Elektrotaxi Deutschlands für das Münchner Taxiunternehmen IsarFunk auf den Straßen der bayerischen Metropole unterwegs. Das private Interesse an Elektroautos ist hingegen noch sehr gering. Welche Vorteile bietet der Einsatz als Taxi gegenüber der privaten Nutzung?

Antwort: Der motorisierte Individualverkehr (MIV) zählt sicherlich zu den Hauptverursachern von Schadstoffbelastung und Treibhausgasemissionen. Speziell in Ballungszentren hat dies enorme Auswirkungen auf Mensch und Natur. Die Einführung eines e-Taxis soll hier einen alternativen Weg von Mobilität aufzeigen. Zudem werden Taxen derzeit noch nicht als Teil des Öffentlichen Personennahverkehrs kategorisiert. Ein e-Taxi steigert sicher die Akzeptanz. Des Weiteren hatten bisher nur wenige Personen die Möglichkeit einmal selbst in einem e-Auto zu fahren. Jetzt können Sie das endlich mal praktisch erleben und sich selbst ein Bild davon machen.

Frage: Im Rahmen der Kooperation von IsarFunk und Green City Energy haben Sie sich für das Modell i-MiEV von Mitsubishi entschieden. Können Sie unseren Lesern kurz erläutern, was den Ausschlag für genau dieses Fahrzeug gegeben hat?

Antwort: Das hat einen recht einfachen Grund: Der i-MiEV von Mitsubishi ist bisher das einzige auf dem Markt erhältliche Modell, das die technischen Kriterien für eine Taxi-Genehmigung erfüllt – Taxen müssen auf der rechten Seite mindestens zwei Türen haben.

Frage: Mit dem Strom von Green City Energy kann das Elektrotaxi nicht nur ohne lokale Emissionen, sondern wirklich emissionsfrei betrieben werden. Macht Elektromobilität also nur in Verbindung mit echtem Ökostrom wirklich Sinn?

Antwort: Selbstverständlich! In diesem Fall nutzt das Elektrotaxi M-Ökostrom der Stadtwerke München (SWM). Somit ist sichergestellt, dass der Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren und umweltfreundlichen Energiequellen stammt – wie beispielsweise aus der Wasserkraftanlage des von uns in der Münchner Innenstadt miterstellten Praterkraftwerks. Ein langfristiges Ziel muss ein breiter grüner Energiemix sein, dafür steht Green City Energy. Zudem ist es ein erklärtes Ziel der Bundesregierung, bis 2020 rund eine Million e-Autos auf die Straße zu bringen. Natürlich stellt sich dabei die Frage, wie viele Kilowattstunden Ökostrom zum Betrieb einer solchen Menge von e-Autos rechnerisch benötigt werden. Im Jahr 2020 werden somit rund 1,82 Milliarden kWh Strom aus Erneuerbaren Energien für circa eine Million Elektrofahrzeuge benötigt. Dem steht laut Bundesumweltministerium eine prognostizierte erneuerbare Stromerzeugung von 211 Milliarden kWh gegenüber. Der Verbrauch der e-Autos nimmt damit weniger als ein Prozent des künftig verfügbaren Ökostroms ein. Erneuerbare Energien sind also spielend in der Lage, den Strombedarf einer rasch wachsenden Elektroautoflotte abzudecken. Sie sind folglich nicht der Flaschenhals für die Elektromobilität, sondern eine unabdingbare und machbare Voraussetzung.

Frage: Wirkt sich elektrische Mobilität nicht negativ auf den Stromverbrauch aus?

Antwort: Elektrische Mobilität hat keine signifikante Auswirkung auf den Stromverbrauch. Rund 40 Millionen Fahrzeuge würden den bundesdeutschen Strombedarf nur um zehn Prozent ansteigen lassen, was in etwa 60 TWh entspricht. Der Kraftstoffbedarf im PKW-Sektor könnte damit auf 20 Millionen Tonnen Erdöl halbiert werden. Zusätzlich ließen sich bei der Nutzung von erneuerbarem Strom 67 Millionen Tonnen CO2 einsparen. Dazu möchte ich ein kleines Beispiel anführen: Green City Energy vertreibt momentan den Solarpark Deutschland 2011. Dieser bündelt drei Solarkraftwerke mit 6,4 MWp Leistung in Bayern und Thüringen. Anleger können sich jetzt ab 2.500 Euro beteiligen, die prognostizierte ökologische Verzinsung beträgt 6,15 Prozent. Der Solarpark produziert dabei Ökostrom in Höhe von rund sechs Millionen kWh, das würde reichen, um eine Flotte von 380 e-Taxis rund zwei Jahre mit Ökostrom zu betreiben.

Frage: Inwieweit muss der Taxifahrer sein Fahrverhalten gegenüber einem Benziner oder Dieselfahrzeug ändern? Lädt er das e-Taxi in regelmäßigen Abständen oder je nach Gelegenheit? Sind bereits genügend öffentliche Ladestationen vorhanden oder muss die notwendige Infrastruktur in München erst noch aufgebaut werden?

Antwort: Grundsätzlich muss der Taifahrer nur darauf achten, dass er für eine Fahrt, die er annimmt, noch genug Reichweite hat. In einem zweiten Schritt muss eine flächendeckende Versorgung mit Schnellladestationen gewährleistet sein. Diese kosten pro Stück allerdings 25.000 Euro. Momentan muss das e-Taxi noch an der Haushaltssteckdose beladen werden, das dauert circa fünf bis 6 Stunden. Deswegen ist das e-Taxi ein Jahr im Testbetrieb und fährt nur halbe Schichten, dafür reicht die Batteriefüllung in der Regel aus. Das Aufladen der Batterie erfolgt bislang nur nachts. Die SWM betreiben in München 28 Ladestationen, diese sind aber nicht Misubishi-kompatibel. Das Problem ist vergleichbar mit dem bei Handyladekabeln. Hier liegt es an der Politik einheitliche Standards vorzugeben.

Frage: Die Bundesregierung hat im Jahr 2010 das Ziel ausgerufen, bis 2020 mindestens eine Million Elektroautos auf die deutschen Straßen zu bringen. Halten Sie diese Zahl für realistisch?

Antwort: Bisher halte ich diese Ankündigung eher für optmistisch denn realistisch, denn die Politik hat ihre Hausaufgaben in diesem Bereich noch längst nicht erledigt. Es ist Aufgabe der Regierung, vernünftige Rahmenbedingungen zu schaffen, um dieses ehrgeizige Ziel auch zu erreichen. Zudem ist es für die Bürger derzeit noch uninteressant, sich intensiv mit der Anschaffung eines Elektroautos auseinanderzusetzen, weil sie nach wie vor sehr teuer sind und bisher kein flächendeckendes Schnellladenetz existiert. Die Industrie muss erst das Reichweitenproblem lösen und effektivere und leistungsfähigere Energiespeicher entwickeln.

Frage: Besitzen Sie selbst ein Elektroauto oder planen Sie in absehbarer Zeit den Kauf eines solchen Fahrzeugs? Wenn nicht, unter welchen Voraussetzungen könnten Sie sich die Anschaffung eines batteriebetriebenen Elektrofahrzeugs vorstellen?

Antwort: Derzeit besitze ich noch kein Elektroauto. Die Anschaffung eines batteriebetriebenen Fahrzeugs kann ich mir aber durchaus vorstellen. Voraussetzung ist, dass seitens der Politik die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen werden und die Indsutrie technische Standards weiterentwickelt.

Herzlichen Dank für das Interview!

Christopher Tan

Weitere Informationen sind auf www.greencity-energy.de und www.isarfunk.de zu finden.

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